Es ist mal wieder E3 und alle großen Spielefirmen beglücken uns mit ihren bahnbrechenden Neuheiten. Nindendo erweitert ihre Wii um einen 2. Bildschirm, den WiiU, Microsoft zwangskinectisiert das komplette Line-Up und Sony verramscht die NGP/Vita, liefert aber ansonsten als einziger Hersteller ausreichend Titel für den Coregamer. Ein großer Schritt vorwärts für die Hersteller? Oder doch eher zwei Schritte zurück für uns Zocker?

Am meisten überrascht hat mich bei Sony der Preis für die NGP/Vita. 249 bzw. 299€ ist für Sony-Verhältnisse schon ein echter Kampfpreis. Offensichtlich hat man die komplette Marketingabteilung der Sirius-Kybernetik-Corporation erschossen, die uns ja bisher weismachen wollte, dass Sony-Produkte so cool sind, die müssen einfach teuer sein. Abgesehen davon ist der neue Handheld aber Sony-typisch: kein Konzept, aber wir packen einfach mal alles an Hardware rein, wo gibt, dann werden es die Technikfreaks schon kaufen. Ansonsten freuten sich die Coregamer über relativ viele Spiele, die sich traditionell mit dem Controller steuern lassen (u.a. Uncharted 3 und Tomb Raider 27).

Microsoft möchte Kinect endlich zum Durchbruch verhelfen und verpflichtet scheinbar alle Hersteller dieses zu unterstützen. Was mir bei der Bedienung der Konsole (z.B. zum Video gucken) noch recht praktisch erscheint, wirkt bei den vorgestellten Actionspielen eher peinlich. Klar ist die Spracherkennung bei Mass Effect 3 nett, aber sicher kein Kaufgrund für Kinect. Star Wars Kinect degradiert sich dagegen zum Rail-Beat'm Up, kann man sich doch nicht mehr frei bewegen. Nach Quicktime-Events ist dies vermutlich der nächste große Rückschritt für Gamer. Und bei Ghost Recon – Future Soldier zeigt Ubisoft nur den Waffeneditor (20 Millionen Waffen anyone?) mit der coolen Kinect-Bedienung statt richtiges Gameplay, weil, und hier kann ich nur raten, Kinect im Spiel selbst gar nicht oder nur wenig genutzt werden wird, oder auch dieses Spiel zum Railshotter degradiert wurde (was ich allerdings für unwahrscheinlich halte).

Richtig gut kann ich mir nur Minecraft mit Kinect-Steuerung vorstellen. Mit der Kombination aus Bewegung und Sprache kann man bestimmt besser seine Welt bearbeiten als mit dem Controller. Dazu noch das offene Gameplay, so dass das Spiel für mich der Anwärter auf den Titel „Innovativstes Spiel 2011“ ist. Dass Minecraft schon ein Jahr alt ist, besagt eigentlich alles, oder? Aber wo wir grad bei Aufbauspielen sind: Hey, Ubisoft, wie wäre es denn mal mit Kinectversionen von Anno und Siedler? Per Sprache neue Gebäude auswählen und mit der Hand zeigen, wo dieses gebaut werden soll. Das wäre doch mal cool. Vielleicht sogar so cool, dass die Titel auch außerhalb Deutschlands zum Erfolg werden!?

Kommen wir zu Nintendo, denen dieses Jahr auch wirklich gar nichts Neues mehr einfällt. Sie kombinieren den DS mit der Wii und machen daraus den WiiU. Klingt cool? Wird aber nicht funktionieren, weil es für die Augen zu anstrengend ist ständig zwischen dem nahen Bild des Touchscreen und dem des Fernsehers hin und her zu wechseln. Beim DS ist das kein Problem, weil beide Bildschirme gleich weit vom Auge entfernt sind. Woher ich das weiß? Weil ich früher meinen Heimcomputer am heimischen Fernseher angeschlossen hatte und beim Tippen (ja, ich habe auf dem Teil auch programmiert) immer zwischen der Tastatur und dem drei Meter entfernten Fernseher hin und herwechseln musste. Ganz schön stressig für die Augen! Und dann der Name: Wii U. Was kommt denn als nächstes von Nintendo? Eine dreigeteilte Konsole mit den Komponenten She, He und It? Kurzname SHIT?

Dennoch wird sich die WiiU gerade bei Familien verkaufen wie geschnitten Brot, denn sie ist die perfekte Konfliktvermeidungsmaschine: Wenn die Eltern mal fernsehen wollen, können die Kinder direkt und ohne Unterbrechung am Touchscreen weiterspielen. Kein Grund mit den Kindern einen Konflikt heraufzubeschwören (Erziehung anyone?).