Der Hexer von SalemUralte Dämonen sammeln ihre Kräfte, um aus einem Riss zwischen den Dimensionen in unsere Welt einzudringen. Verhindern kann dies nur eine unerschrockene Gruppe von zwei bis vier Spielern, die sich der Gefahr in diesem kooperativen Brettspiel stellen. Dies ist der erste Teil meiner kleinen Serie über kooperative Brettspiele.

Spielüberblick
Der böse Hexer Necron will einen uralten Dämon aus seinem Dimensionsgefängnis befreien und die Welt damit ins Chaos stürzen. Um das zu verhindern, müssen die Spieler diesen Dämon bannen und alle Dimensionsportale auf dem Spielfeld schließen, bevor Necron den Dimensionsriss erreicht. Um den Dämon zu bannen, müssen die Spieler seine Identität aufdecken und dann muss sich einer von ihnen, mit den richtigen Gegenständen bewaffnet, auf ein bestimmtes Feld des Spielplans stellen. Dies darf er jedoch erst dann tun, wenn alle Dimensionsportale versiegelt wurden. Dazu müssen die Spieler überhaupt erst einmal herausfinden, an welcher der sechs möglichen Stellen sich überhaupt Portale befinden und diese dann mit einem Artefakt versiegeln. Erst zum Schluß wird das bekannte Portal an der Universität geschlossen.

Zum Überprüfen, ob an einem bestimmten Ort ein Dimensionsportal schlummert, muss sich ein Spieler zu diesem Ort bewegen und dort einen bestimmten Gegenstand einsetzen. Zum Verschließen wird dann noch ein Artefakt benötigt. Doch leider ist das Inventar begrenzt (maximal 3 Gegenstände und 1 Artefakt), so dass man das Spielfeld ständig nach neuen Gegenständen abgrasen muss, und jede Runde erscheinen neue Monster, die den Spielern das Leben schwer machen. Bewegt man sich nämlich an einen Ort, an dem schon ein Monster ausliegt, muss man zuerst den Schaden auswürfeln. Dies kann der Verlust eines Gegenstandes sein, oder von Willenskraft. Sinkt die Willenskraft auf 0, scheidet der entsprechende Spieler aus. Es gibt aber auch Heiltränke zum Regenerieren. Noch schlimmer ist es, wenn von einem Monster ein Pärchen aufgedeckt wird. Dann haben alle Spieler unter den Folgen zu leiden.

In jeder Runde werden zu Beginn, je nach Spielerzahl, ein bis zwei neue Monster aufgedeckt. Dann sind die Spieler nacheinander mit ihren Zügen dran und am Ende wird eine Ereigniskarte aufgedeckt, die u.a. dafür sorgt, dass Necron weiter in Richtung Dimensionsriss bewegt wird. Dies ist dann auch der limitierende Faktor des Spiels. Erreicht Necron den Dimensionsriss, endet das Spiel sofort und alle Mitspieler haben verloren.

Mein Eindruck
Obwohl die Spielanleitung nur vier Seiten kurz ist, ist die Spielmechanik recht komplex und erschloss sich mir erst nach dem zweiten Durchspielen. Danach begann die Suche nach der richtigen Strategie, um die Aufgabe zu meistern. Der Glücksfaktor ist bei diesem Spiel schon recht hoch, weswegen meine Strategen-Spielerunde, in der wir das Spiel zu viert gespielt haben, auch nicht sehr angetan vom Hexer war. Ich habe das eher als Herausforderung gesehen, eine Strategie zu entwickeln, die möglichst resistent gegen Pech ist. Darunter musste meine Frau dann leiden, mit der ich das Spiel mehrmals gespielt habe. ;) Vielleicht braucht man hier das Try-and-Error-Gen, dass gerade Gamer auszeichnet, die sich so lange in einen Level verbeißen, bis sie ihn geschafft haben. Mir hat der Hexer von Salem gut gefallen. :)

Das Problem, das ich mit dem Spiel habe, ist, außer dass es niemand mit mir spielen will, dass der Wiederspielwert nicht sehr hoch ist. Ich habe das Spiel einmal zu zweit und einmal zu viert gewonnen und jetzt? Klar kann man noch den Schwierigkeitsgrad erhöhen, wie in der Anleitung vorgeschlagen, aber die klassische Motivation 'Ich spiele nochmal, weil ich letztes Mal verloren habe', die bei kompetitiven Brettspielen fruchtet, funktioniert hier leider nicht. Auf der anderen Seite kostet das Spiel derzeit bei Amazon nur 23€, was ich für ein paar spannende Abende nicht zuviel finde. Aber das muss jeder selbst entscheiden. Das Spiel ist liebevoll gestaltet und für Fans der Buchvorlage oder des Cthulhu-Universums auf jeden Fall einen Blick wert. Nur der Horror wollte sich bei mir nicht einstellen. Gruselig fand ich nur die ganzen merkwürdigen Namen. Aber ich bin ja auch kein Fan der Vorlage.

PS: Und natürlich tritt im Spiel auch der namensgebende Hexer von Salem, Robert Craven, auf. Dieser wird ebenfalls durch die Ereigniskarten bewegt und hat den positiven Effekt, dass die Spieler an dem Ort, an dem er sich befindet, nicht von Monstern angegriffen werden. Dies ist manchmal ganz praktisch, aber nicht spielentscheidend.