Ich habe endlich The Witcher durchgespielt. Ein schwieriges Spiel. Genauso zweischneidig wie Geralts Entscheidungen meist sind, wem er helfen oder wem er glauben soll, genauso zweischneidig ist mein Eindruck des Spiels. Auf der einen Seite eine erfrischend andere Fantasywelt, die einen in ihren Bann zieht, auf der anderen Seite zahlreiche, nicht nur technische, Unzulänglichkeiten, die einen wieder aus dieser Welt heraus reissen.

The Witcher erzählt seine Geschichte über Render-Videos, Ingame-Sequenzen und gemalte Bilder, zu denen ein Sprecher die Auswirkungen von Entscheidungen erzählt, die der Spieler für Geralt treffen musste. Eigentlich ein nettes Paket, wenn die Übergänge nicht so abrupt wären. Gerade hat man noch dem Sprecher gelauscht, schon startet die Zwischensequenz, an deren Ende unvermittelt ein Kampf startet, dessen erste Sekunden in einem wilden Geruckel untergehen, wobei das Spiel ansonsten aber flüssig läuft. Ausserdem hat das Spiel Ladebalken, wo man nur hinsieht. Egal, ob man einen anderen Stadtteil oder ein Haus betritt, immer wird man zunächst von einem Ladebalken begrüßt. Teilweise auch während der Zwischensequenzen. Aber nicht nur technisch hakt es, sondern auch die eigentliche Geschichte nimmt so manche Wendung mit zu hoher Geschwindigkeit, so dass man sich aus der Kurve getragen fühlt. Eben hat man noch im Sumpf gekämpft, schon wacht man, nach einem Ladebalken, in einem Zimmer wieder auf. Was ist passiert?

The Witcher ist ein Spiel über Entscheidungen. Alle naselang muss man sich überlegen, ob man lieber den Dörflern hilft, die sich dann aber alsbald als rasender Mob entpuppen, oder doch den Werwolf am Leben lässt, der dafür aber weiterhin das Dorf in Angst und Schrecken versetzt. Hat die Hexe wirklich nichts böses im Sinn, oder hat sie Geralt mit ihrer Offenherzigkeit nur um den Finger gewickelt? Während man in den Kämpfen Dank des interessanten Kampfsystems die Kontrolle über die Situation hat, wird man in der Geschichte eigentlich immer nur herumgeschubst. Die Bewohner der Dörfer und Städte misstrauen Geralt, weil er ein Hexer ist, und die einflussreichen Figuren sind, wie im richtigen Leben, selten das, was sie zu sein vorgeben.

Ich hab mich bei den Entscheidungen schwer getan, denn ich konnte nie auf den ersten Blick sagen, welches die richtige ist. Teilweise wünschte ich mir sogar noch eine weitere Alternative. Entsprechend ungehalten war ich, als mir das Spiel zum Schluß meine ganzen vermeintlichen Fehlentscheidungen vorwarf. Nix mit strahlendem Helden, keine Euphorie das Spiel geschafft zu haben. Stattdessen bin ich irritiert, genervt von den letzten Kämpfen, die sehr schwer waren, und insgesamt enttäuscht von einem Spiel, das befriedigender hätte sein können.

The Witcher beginnt und endet mit einem Render-Video. Glänzender Auftakt und glänzendes Ende. Am Ende verlässt Geralt Wyzima mit einem Sack voll Gold. Die Stadt wird ihn wohl schnell wieder vergessen. Ich auch.